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Sonnabend, 02.08.2008

06/08/2008

Der Tag fängt wettertechnisch nicht so vielversprechend an wie die bisherigen, was jedoch die Ü30-Frauen nicht in ihrem Tatendrang bremsen kann. Gegen 11.30 Uhr brechen wir zu unserer Wanderung durchs Svartebekken auf. Anfangs ist es ziemlich schwül, der zwar leichte, dafür aber permanente Anstieg lässt meinen Wanderelan schon schnell wieder schrumpfen, jedoch die Boshaftigkeit meiner Kommentare anschwellen.  Da leider keiner darauf anspringt, wandern wir unverzagt weiter. An einer Weggabelung studieren wir die Karte, um den weiteren Wegverlauf zu erkunden, als plötzlich undefinierbare, unheimliche, nicht der Zivilisation zuzuordnende Geräusche ertönen. Wir beschliessen spontan, NICHT in DIESE Richtung zu gehen. Stattdessen schlagen wir uns ins Gehölz, folgen einem kaum wahrnehmbaren Pfad, der aber nach kurzer Zeit erstaunlicherweise (wir sind schliesslich Frauen) wieder in den breiten Hauptpfad mündet. Dann verzieht sich die Sonne (siehe oben, das Wanderwetter wird erträglich), die beiden Seen kommen in Sicht und ausserdem Unmengen an Blaubeeren……..lecker….

Am See erreichen wir eine kleine Hütte, sehr romantisch, wir geniessen die Stille. Zur Erinnerung schiesst Erika unter Einsatz ihres Lebens, nach Erklimmen eines wackligen Tisches, einige Erinnerungsfotos. Sie muss diesen Akt auch noch wiederholen, da ich nach Betrachtung der Bilder spontan feststellen musste, dass ich  mich soooooo nicht fotografieren lasse. Man muss beim Kauf von Fotorucksäcken auch auf gewisse modische Details achten!

Wir wandern weiter und stellen fest, dass man sich gut am Verlauf der Hochspannungsleitungen orientieren kann, was uns spontan zu einer szenerischen Darstellung veranlasst. Wir werden diese zur Illustration unserer Wandererlebnisse dem Rest der Familie als gespieltes Rätsel vorführen (Foto folgt – vielleicht…).

Ungefähr ab der Hälfte der Wanderung beginnt Ulrike in Erwartung des Wasserfalls zu nerven, ningeln, quengeln….. Sie ist quasi kurz davor, sich schreiend auf dem Boden zu werfen, wenn er nicht bald kommt. Endlich kommt er, zwar noch nicht in Sicht, aber wenigsten in Hörweite. Sofort beschleunigen sich unsere Schritte. (Kommentar von Erika aus dem Hintergrund: „Den habe ich nicht gefunden, der war schon da!“)

Ulrike ist ein wenig enttäuscht ob der geringen Fallhöhe des Wassers, macht aber trotzdem mindestens gefühlte 200 Fotos. Das es nicht mehr wurden, lag am einsetzenden Regen; wir setzten unsere Wanderung raschen Schrittes fort, lediglich am Abzweig zum Skopphornet-Aufstieg machen wir noch mal kurz Pause. Den Gipfelsturm werden wir wohl nicht schaffen, aber wenigstens den See unterhalb würden wir schon noch gerne erwandern .

Inzwischen hört es auf, langsam zu regnen und wir greifen zum Telefon, um unser Taxi zu rufen. Wobei Erika feststellt, dass sie zwar die billige Sunsim-Karte im Telefon hat, aber keine gespeicherten Nummern. An die Einzige, die uns einfällt, geht Mathias. Der befindet sich leider beim Angeln. Er kann uns aber weiterleiten und so werden wir dann im inzwischen strömenden Regen wieder eingesammelt. Kai zeigt dabei durch mehrmaliges Abfahren des Kreisverkehres an der Brücke von Sykkylven der mitfahrenden Susanne die schöne Umgebung. (Dauer der Wanderung ca 3,5 Std).

Gerd, Mathias und Robert waren in der Zwischenzeit beim „kollektiven Würmerbaden“ (O-Ton Mathias). Total erfolglos, aber nicht entmutigt.

Abends schlagen wir uns verdient den Magen mit Unmengen von Kartoffelbrei und Jagdwurst voll – es reicht für mindestens das nächste halbe Jahr……

Freitag, 01.08.2008

05/08/2008

Wie immer am Ankunftstag – strahlender Sonnenschein. Eigentlich schon wieder viel zu heiß. Also wird nach letztem Auspacken und Wegräumen der Sachen allseits gegammelt, auf der Wiese, auf dem Trampolin, im Whirlpool… Mathias bietet uns wie immer einen Campari an, was wir uns natürlich in diesem Falle nicht entgehen lassen.

Plötzlich tauchen John und Kristoffer auf, die uns mehrere Negativstreifen vors Gesicht halten und auf die Sonne zeigen. Richtig, wir hätten es fast vergessen – die Sonnenfinsternis, hier im Norden mit einer Abdeckung von 50% zu beobachten. Eigentlich bin ich ja der Fotograf, aber DIE Idee kommt von Kai: meine guten Infrarotfilter. Leider habe ich sie nur mit einem Filterdurchmesser von 52 und 58mm, das gute Teleobjektiv (nochmal vielen Dank an Manne) hat aber einen Durchmesser von 66mm.

Dank Gerd-MacGyver und Siggis schwarzem Telekom-Isolierband wird das, was nicht passt, passend gemacht. Und so gelingen tatsächlich ganz passable Bilder von der „Sofi“.

Gegen Nachmittag dann wollen wir das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und zunächst ins Freibad nach Sykkylven und danach einkaufen. Das Freibad klemmen wir uns dann doch, es ist sehr voll – Robert ist darüber ein wenig traurig. Stattdessen geht es gleich über die „bemautete“ (DAS musste ich jetzt mal so schreiben) Brücke (38 NOK) zu einem ersten Einkauf. Der verläuft trotzt vorherigem Einkaufszettelschreiben ein wenig chaotisch, aber letztlich haben wir alles und düsen wieder retour.

Unter erschwerten Bedingungen versuchen sich Ulrike und Mathias an der Herstellung von Schweizer Kartoffelröstis, scheitern zunächst an unbeschichtetem Pfannenmaterial sowie ungleichmäßiger Erhitzung des Herdes. Kurz vor Aufgabe wird dann doch eine halbwegs brauchbar beschichtete Pfanne gefunden, die uns das Werk vollenden läßt. Die hergestellten Exemplare haben zwar nicht mehr viel mit ihren Namensvettern gemein, werden jedoch neben 1,2 kg „Kvark“ restlos verspeist.

Nach dem Abendbrot entsteht der spontane Entschluss eines Kurzauflugs. Wir laufen nach „Hundevika“ (korrekt Hundeidvika, gesprochen Hüneivika). Erstens verbrennen wir Kalorien, zweitens geniessen wir die Landschaft, drittens kann man schöne Fotos machen (ich trage den Fotorucksack und Mathias das Stativ) und zu guter Letzt wollen die Jungs/Männer schon mal probeangeln. Kai als Versehrter darf zu Hause bleiben, will uns aber später wieder einsammeln, tja und Susanne…Susanne leistet natürlich ihrem armen Vater Gesellschaft, damit er nicht so alleine ist.

Auf der Rückfahrt (mit mir am Steuer) , noch ein kurzer Stop in Tusvik am See. Zum Zeitpunkt der Aufnahme ist es ca 22.00 Uhr, man merkt eben schon deutlich, dass die Tage wieder kürzer werden. Der Kultusministerkonferenz sei Dank beginnen die Ferien ab 2010 wieder einen Monat früher, was zwar heisst, dass wir eher fahren könnten, ob sich das arbeitstechnisch allerdings machen läßt, steht auf einem anderen Blatt. Und auch für Susanne dürfte dieser frühere Termin ein Problem darstellen, aber es sind ja auch noch zwei Jahre, wer weiss, was dann alles ist…..

Donnerstag, 31.07.2008

05/08/2008

Da der Flieger mit dem Rest gegen 10.50 Uhr landen soll, haben wir „viel“ Zeit. Nach gemütlichem Frühstück genauso gemütlicher Aufbruch, dann einkaufen für den ersten Tag und danach zum Flughafen. Soweit die Theorie….

Die Praxis stimmte vom gemütlichen und wirklich guten Frühstück bis zum  Aufbruch. Danach klaffte dann durchaus eine gewisse Lücke.

Aber der Reihe nach:

Das Frühstück ließ keine Wünsche bezüglich der Reichhaltigkeit und Qualität offen. Wenn man gewollt hätte, wäre auch das Verzehren eines Mangoeises möglich gewesen, worauf wir allerdings mit Rücksicht auf den noch abwesenden Mathias schweren Herzens verzichteten (das die Kugel 4 Euro kostet, sei nur am Rande erwähnt). Statt dessen tranken wir einen leckeren Ristretto der im Gesamtpreis inbegriffen war.

Danach bei inzwischen fortgeschrittenen Temperaturen umpacken, damit der Rest auch einsteigen kann.

Und nun kommt das, was den besagten Unterschied zwischen Theorie und Praxis ausmacht, die Entfernung zum Flughafen ist nicht soooo weit, aber die Zeit, die man dorthin braucht…. Jedenfalls wurde das Einkaufen kurzerhand „gekäänzelt“, wie es neudeutsch so schön heisst. Kurz vor dem Flughafen schwebte gerade eine Norwegian ein – vermutlich waren sie das. Bei der  Einfahrt in den eigentlich doch recht übersichtlichen Flughafen verpassten wir die kostenlose Kurzparkzone und landeten in der Tiefgarage (kostenpflichtig). Dafür irrten Gerard und ich dann mehrere Minuten durch das Parkhaus, ohne den Eingang zur Ankunftshalle zu finden. Irgendwie haben wir es dann doch geschafft und tatsächlich, kurze Zeit später war die Familie wieder komplett, allerdings ohne Nutella.

Gegen 12.00 Uhr konnten wir dann endlich den letzten Teil der Anreise in Angriff nehmen.

Kai hatte diesmal eine neue Strecke ausgesucht, die zwar kilometermässig nicht länger als die anderen war, von der Zeit her aber eher ungünstig. Einkaufen mussten wir ja nun auch noch, gelegentliche Fotohalte kosteten auch Zeit, z.B. hier:

(Foto folgt, ich muss erst  jemanden finden, der nicht im RAW-Format fotografiert hat)

Die Norwegenneulinge sogen die herrliche Landschaft, die, komprimiert auf wenig Platz, besonders gigantisch ausfällt, begeistert in sich auf. Auch die zahlreichen Tunnel, welche die Norweger offensichtlich in Verkennung der Schönheit ihres Landes, durch die Berge schlagen, um sich und uns Reisenden die Fahrwege zu verkürzen, vermochten diesen Eindruck nicht zu schmälern.

Gigantisch war der Anblick des Buarbreen, ein Ausläufer des Jostedalsbreen (Europas grösster Festlandsgletscher), den wir erst von Weitem betrachteten, um ihn dann, dem Strassenverlauf folgend, zu durchfahren.

23.15 Uhr endlich Ankunft, John und Jorunn erwarten uns schon. John läuft (!) sogar mit uns zum Haus, was bei ihm in Anbetracht der Entfernung von 150m ja nicht selbstverständlich ist.

Das Wichtigste zeigt er mir sofort: er hat extra für uns einen Internetanschluss installiert. Hach…..der Urlaub ist gerettet!!!!!!

Nach kurzer Zimmerverteilung und Auspacken der wesentlichen Sachen beschliessen Ulrike und ich spontan, die Anreise mit einem Bad im Whirlpool zu beenden.  Fehlt nur noch der Campari..aber es muss ja auch noch Steigerungsmöglichkeiten geben…

Mittwoch, 30.07.2008

04/08/2008

Bei gutem Wetter starten wir halbwegs pünktlich.  Allgemeine Verabschiedung von allen, verbunden mit letzten Ermahnungen an die Kinder 🙂

Der Verkehr hält sich in Grenzen, also kommen wir gut durch. Es ist bewölkt, zwischendurch nieselt es sogar ein wenig. Die Temperatur allerdings sehr angenehm, wollen wir mal hoffen, dass das Skandinavienhoch sich auch dort befindet, wo sein Name es suggeriert.

Gegen 09.40 Uhr erster Kontakt mit Gerd und Ulrike, wir treffen uns an der Tankstelle kurz vor dem Überseehafen. Das erweist sich im nachhinein als Glücksgriff, das Reisebüro hat nämlich nur einen Voucher mitgeschickt (was uns aber bisher entgangen war) und während die Familie Hempel ohne Probleme ihr Ticket bekommt, scheitert der Rest an einer resoluten Frau am Scandline-Schalter. Ich ahne  Schlimmes, auf der Nachbarspur wird bereits etwas von Wartespur gesagt….aber mein ordentlicher Mann hat die Rechnung mit, da stehen sowohl die Personen als auch die Buchungsnummern drauf. Die kann die gute Frau abfragen und somit kann die Reise weitergehen…

Warten auf die Fähre

Warten auf die Fähre

An Bord gönnen wir uns einen Restaurantbesuch – das Essen schmeckt sehr gut, aber über die Preise wollen wir mal schweigen.

Die Verbindung von Kein-Frühstück und Reichlich-Mittag führt bei Teilen der Crew zu gewissen Ausfallerscheinungen, daher dauert die Fahrt länger als geplant.

Klokka halv åtte Ankunft am Abend-Rastplatz. In Ermangelung mitgenommener Speisen gehen wir in den Imbiss. Da keiner von uns bisher Geld getauscht hat, kann ich sofort und todesmutig meine frisch erworbenen Norwegisch-Kenntnisse erproben: „Unnskyld, kan jeg betale med Euro? “ Der bis dahin etwas griesgrämig guckende Mann wird sofort um Klassen freundlicher und antwortet…..- in bestem Deutsch. Soll mir das jetzt zu denken geben? Ich denke nein 😉 .

Gegen  21.45 Uhr erreichen wir die norwegische Grenze und um 22.20 Uhr Rygge. Der bisher eher unscheinbare Wald-und-Wiesenflugplatz ist inzwischen zu einem flotten Regionalflughafen ausgebaut und daher heisst auch unser Hotel nun nicht mehr By-the-Way sondern ist jetzt ein „Flyplassene Hotell“. Die Preise im Restaurant sind auch zum Abheben: die Männer gönnen sich zur Feier der Ankunft ein mexikanisches Bier (es gibt kein anderes trinkbares), die Flasche zu 50 Kronen.

Beim Einchecken wird Gerd nach seinem Namen gefragt, die Rezeptionistin bis dahin eher unfreundlich und mit unterkühlt nordischem Charme. Gerd daraufhin wahrheitsgemäss: Gerhard….kurzes Unverständnis auf der anderen Seite, dann ein grosser Augenaufschlag und freudestrahlend: Gerard in schönstem französisch hingehaucht….. Ulrike und ich wenden uns fassungslos ab, werden jedoch sowieso fortan von der Dame ignoriert, sie hat nur Augen für „Gerard“. Der heisst fortan auch bei uns nur noch so, was er aber mit einem knappen: „Ihr dürft mich Maître Gerard“ nennen, kommentiert. Ansonsten will er von den extremen Flirtversuchen der Dame nichts mitbekommen haben.

Mehr oder weniger totmüde fallen wir gegen Mitternacht ins Bett. Morgen wartet ja auch eine lange Tour auf uns.